Angela Merkel

Angela Merkel: Vom Leben in der DDR bis zu 16 Jahren als Bundeskanzlerin

Angela Merkel gehört zu den bekanntesten deutschen Politikerinnen der jüngeren Geschichte. Doch ihr Weg begann nicht in einer Partei. Sie studierte Physik, arbeitete viele Jahre als Wissenschaftlerin in der DDR und kam erst während des politischen Umbruchs von 1989 in die Politik.

Am 22. November 2005 wurde Merkel Bundeskanzlerin. Sie war die erste Frau in diesem Amt und die erste Person aus der früheren DDR an der Spitze der Bundesregierung. Vier Wahlperioden lang führte sie Deutschland. Erst im Dezember 2021 endete ihre Kanzlerschaft nach etwas mehr als 16 Jahren. Nur Helmut Kohl war in der Geschichte der Bundesrepublik länger im Amt.

Auch nach ihrem Rückzug ist Merkel nicht ganz aus der Öffentlichkeit verschwunden. Im Jahr 2026 tritt sie nur noch ausgewählt auf. Sie spricht über Europa, Demokratie, Russland, die Ukraine und ihre Erfahrungen aus der Regierungszeit. Ende August 2026 sorgte sie erneut für Aufmerksamkeit, als sie in Berlin zum Schutz der Demokratie aufrief.

Angela Merkel im Überblick

FaktInformation
NameAngela Merkel
Geboren17. Juli 1954
GeburtsortHamburg
Alter72 Jahre im August 2026
AusbildungPhysikstudium in Leipzig
Promotion1986
ParteiCDU
BundeskanzlerinNovember 2005 bis Dezember 2021
Amtszeitetwas mehr als 16 Jahre
EhemannJoachim Sauer
MemoirenFreiheit / Freedom: Memoirs 1954–2021
Status 2026Bundeskanzlerin a. D., Autorin und öffentliche Rednerin

Die wichtigsten Angaben zu Geburt, Ausbildung und politischer Laufbahn werden auch in der offiziellen Biografie des Bundeskanzleramts geführt.

Kindheit und Jugend in der DDR

Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Kurz nach ihrer Geburt zog ihre Familie in die DDR. Sie wuchs in Templin im heutigen Brandenburg auf.

Ihr Vater war evangelischer Pfarrer. Ihre Mutter arbeitete als Lehrerin. Merkel machte 1973 ihr Abitur in Templin.

Danach ging sie nach Leipzig und studierte Physik. Das Studium dauerte von 1973 bis 1978. Anschließend arbeitete sie am Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften. 1986 schloss sie ihre Promotion ab.

Damit hatte Merkel zunächst eine klare wissenschaftliche Laufbahn. Politik wurde erst später zu ihrem Beruf.

Gerade dieser Wechsel macht ihre Biografie ungewöhnlich. Viele führende Politiker beginnen ihre Karriere früh in Parteien oder Verbänden. Merkel kam dagegen aus der Wissenschaft und aus einem Staat, der wenige Jahre später nicht mehr existierte.

Nach dem Lesen des Artikels: Zu „Least News“ wechseln

Wie Angela Merkel in die Politik kam

Das Jahr 1989 veränderte Deutschland und auch Merkels Leben.

Im Herbst 1989 geriet die DDR immer stärker unter Druck. Bürger gingen auf die Straße. Am 9. November fiel die Berliner Mauer.

Merkel schloss sich in dieser Zeit der politischen Bewegung Demokratischer Aufbruch an. Im Jahr 1990 wurde sie stellvertretende Regierungssprecherin der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière.

Noch im selben Jahr trat sie der CDU bei und wurde Mitglied des Deutschen Bundestages.

Ihre politische Karriere entwickelte sich schnell.

Von 1991 bis 1994 war Merkel Bundesministerin für Frauen und Jugend. Danach leitete sie von 1994 bis 1998 das Bundesumweltministerium.

Nach der Bundestagswahl 1998 verlor die CDU die Regierungsmacht. Merkel wurde zunächst Generalsekretärin der Partei. Im Jahr 2000 übernahm sie den CDU-Vorsitz. Dieses Amt behielt sie bis 2018.

Von 2002 bis 2005 führte sie außerdem die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.

Damit war sie wenige Jahre nach der deutschen Einheit in der Spitze der deutschen Politik angekommen.

Der Weg ins Kanzleramt

Bei der Bundestagswahl 2005 trat Merkel als Kanzlerkandidatin der Union an.

Das Wahlergebnis brachte keine klare Mehrheit für ein politisches Lager. Nach langen Gesprächen bildeten CDU, CSU und SPD eine große Koalition.

Am 22. November 2005 wurde Angela Merkel zur Bundeskanzlerin gewählt.

Ihre Wahl war historisch. Zum ersten Mal stand eine Frau an der Spitze der Bundesregierung. Zugleich kam Merkel aus der früheren DDR.

Sie blieb deutlich länger im Amt, als viele zu Beginn erwartet hatten.

Merkel gewann mit der Union auch die Wahlen 2009, 2013 und 2017. Insgesamt führte sie vier Bundesregierungen.

Finanzkrise und Eurokrise

Merkels Kanzlerschaft fiel in eine Zeit mit vielen Krisen.

Eine der ersten großen Prüfungen war die weltweite Finanzkrise ab 2008. Danach folgte die Schuldenkrise im Euroraum.

Mehrere Staaten, darunter Griechenland, gerieten unter großen finanziellen Druck. Deutschland unterstützte europäische Hilfsprogramme. Gleichzeitig setzte Merkels Regierung stark auf solide Haushalte und Reformen.

Diese Politik bleibt umstritten.

Befürworter sahen darin einen Versuch, den Euro zu schützen und die Verschuldung zu begrenzen. Kritiker warfen Deutschland vor, zu harte Sparmaßnahmen unterstützt zu haben.

Eine neutrale Bewertung muss beide Seiten berücksichtigen. Es gibt bis heute keine einfache Antwort auf die Frage, ob Merkels Kurs in der Eurokrise insgesamt richtig oder falsch war.

Fukushima und der deutsche Atomausstieg

2011 ereignete sich die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima.

Kurz danach änderte Merkels Regierung ihren bisherigen Kurs zur Kernenergie. Deutschland beschleunigte den Ausstieg aus der Atomkraft.

Die Entscheidung wurde zu einem wichtigen Teil der deutschen Energiepolitik.

Sie erhielt Unterstützung von Menschen, die Kernkraft als zu großes Risiko ansahen. Andere kritisierten später den schnellen Ausstieg. Besonders nach der Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine wurde die damalige Entscheidung wieder stärker diskutiert.

Eine direkte Bewertung bleibt auch hier politisch umstritten.

Russland und die Ukraine

Merkel hatte während ihrer Kanzlerschaft häufig mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu tun.

Nach der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 unterstützte Deutschland Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland.

Gleichzeitig setzte Merkel auf Gespräche. Deutschland und Frankreich waren an den Verhandlungen beteiligt, aus denen die Minsker Vereinbarungen hervorgingen. Sie sollten den Krieg in der Ostukraine begrenzen.

Dauerhaften Frieden brachten diese Abkommen nicht.

Seit dem groß angelegten russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wird auch Merkels Russland-Politik neu bewertet. Kritiker verweisen vor allem auf Deutschlands damalige Abhängigkeit von russischer Energie.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Merkels Regierung unterstützte nach 2014 Sanktionen gegen Russland, hielt aber zugleich an bedeutenden wirtschaftlichen und energiepolitischen Beziehungen fest.

Beides gehört zur Bilanz ihrer Regierungszeit.

„Wir schaffen das“ und die Flüchtlingskrise

Kaum ein Satz wurde so stark mit Merkel verbunden wie „Wir schaffen das“.

Sie sagte diese Worte im Sommer 2015, als Europa mit einer sehr großen Zahl von Flüchtlingen und Migranten konfrontiert war. Viele Menschen flohen vor Krieg und Gewalt, besonders aus Syrien.

Die deutsche Politik in dieser Zeit löste eine harte Debatte aus.

Unterstützer sahen Merkels Haltung als humanitäre Antwort auf eine Ausnahmesituation. Kritiker warnten vor Problemen bei Aufnahme, Integration, Sicherheit und Kontrolle der Migration.

Die Folgen dieser Jahre beschäftigen Deutschland noch heute.

Auch der politische Aufstieg der AfD wird oft mit der Migrationsdebatte verbunden. Es wäre jedoch zu einfach, ihren Erfolg allein mit Merkels Flüchtlingspolitik zu erklären. Wirtschaft, Vertrauen in staatliche Einrichtungen, regionale Unterschiede und weitere politische Themen spielen ebenfalls eine Rolle.

Die Corona-Pandemie als letzte große Krise

2020 begann die Corona-Pandemie.

Merkel war damals bereits in ihrer vierten und letzten Amtszeit. Bund und Länder beschlossen Kontaktregeln, Schließungen und weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus.

Auch diese Politik führte zu starken Diskussionen.

Ein Teil der Bevölkerung hielt harte Maßnahmen für nötig, um Leben und das Gesundheitssystem zu schützen. Andere kritisierten einzelne Regeln oder ihre Dauer.

Die Pandemie blieb bis zum Ende von Merkels Kanzlerschaft eines der wichtigsten politischen Themen.

Warum Angela Merkel 2021 aufhörte

Merkel hatte schon 2018 angekündigt, nicht erneut für den CDU-Vorsitz anzutreten. Auch für eine fünfte Amtszeit als Bundeskanzlerin kandidierte sie nicht.

Nach der Bundestagswahl 2021 bildeten SPD, Grüne und FDP eine neue Regierung.

Olaf Scholz wurde am 8. Dezember 2021 Bundeskanzler. Damit endete Merkels Regierungszeit.

Seit Mai 2025 ist Friedrich Merz Bundeskanzler. Die offizielle Biografie des Kanzleramts nennt den 6. Mai 2025 als Beginn seiner Amtszeit.

Das ist für aktuelle Merkel-Biografien wichtig: Scholz war ihr direkter Nachfolger, ist aber 2026 nicht mehr Bundeskanzler.

Ihr Buch „Freiheit“

Nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt zog Merkel sich weitgehend aus der täglichen Parteipolitik zurück.

Ein großes Projekt war ihre Autobiografie.

Gemeinsam mit ihrer langjährigen Mitarbeiterin Beate Baumann schrieb sie ihre Memoiren. Die englische Ausgabe Freedom: Memoirs 1954–2021 erschien am 26. November 2024.

Darin schreibt Merkel über ihre Kindheit in der DDR, den politischen Umbruch, ihre Kanzlerschaft und ihre Begegnungen mit internationalen Politikern.

Das Buch ist eine wichtige Quelle für Merkels eigene Sicht. Es ist aber ihre persönliche Darstellung. Für eine neutrale Bewertung ihrer Politik sollten deshalb zusätzlich unabhängige Quellen und historische Daten genutzt werden.

Was macht Angela Merkel heute?

Auch 2026 ist Merkel gelegentlich öffentlich zu sehen.

Am 18. Mai 2026 nahm sie am WDR-Europaforum bei der re:publica in Berlin teil. Dort sprach sie über Europa und aktuelle politische Fragen. Der WDR veröffentlichte das Gespräch als Interview mit der ehemaligen Bundeskanzlerin.

Am 29. August 2026 trat sie im Haus der Berliner Festspiele auf. Dort sprach sie mit Saba-Nur Cheema und Meron Mendel über Deutschlands und Europas Rolle in einer sich verändernden Welt.

Dabei rief Merkel auch dazu auf, sich stärker für die Demokratie einzusetzen. Ihr Auftritt fand wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt.

Das bedeutet aber nicht, dass Merkel ein politisches Comeback angekündigt hat.

Nach öffentlich bekannten Informationen ist sie 2026 keine Kandidatin für ein Regierungsamt. Ihre Rolle besteht vor allem aus ausgewählten Reden, Interviews, Buchveranstaltungen und politischen Diskussionen.

Ehe und Privatleben

Angela Merkel ist mit Joachim Sauer verheiratet. Sauer ist Wissenschaftler. Die offizielle Biografie des Bundeskanzleramts nennt ihn als ihren Ehemann.

Merkel hält ihr Privatleben seit vielen Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.

Deshalb sollten Berichte über ihre Gesundheit, ihren Wohnort, private Beziehungen oder ihr Vermögen nur dann veröffentlicht werden, wenn dafür verlässliche Belege vorliegen.

Das gilt besonders für Gerüchte aus sozialen Medien oder wenig bekannte Webseiten.

Wie hoch ist Angela Merkels Vermögen?

Für Angela Merkels privates Nettovermögen gibt es keine umfassend belegte, öffentlich geprüfte Zahl.

Im Internet finden sich unterschiedliche Schätzungen. Viele dieser Seiten erklären aber nicht, auf welchen Dokumenten ihre Zahlen beruhen.

Ein früheres Kanzlergehalt oder spätere Versorgungsbezüge sind außerdem nicht dasselbe wie privates Vermögen.

Eine feste Zahl als gesicherte Tatsache zu nennen, wäre deshalb nicht seriös.

Häufige Fragen zu Angela Merkel

Wie alt ist Angela Merkel?

Angela Merkel ist im August 2026 72 Jahre alt. Sie wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren.

Wie lange war Angela Merkel Bundeskanzlerin?

Sie war von November 2005 bis Dezember 2021 Bundeskanzlerin. Ihre Amtszeit dauerte etwas mehr als 16 Jahre und war die zweitlängste in der Geschichte der Bundesrepublik.

War Angela Merkel früher Wissenschaftlerin?

Ja. Merkel studierte Physik in Leipzig und arbeitete danach am Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften. 1986 promovierte sie.

Wer kam nach Angela Merkel?

Olaf Scholz wurde im Dezember 2021 ihr direkter Nachfolger. Seit dem 6. Mai 2025 ist Friedrich Merz Bundeskanzler.

Ist Angela Merkel 2026 noch politisch aktiv?

Sie hat kein Regierungsamt mehr. Merkel nimmt aber weiter an ausgewählten Gesprächen und öffentlichen Veranstaltungen teil. Im Mai und August 2026 trat sie bei größeren politischen Gesprächsformaten in Berlin auf.

Will Angela Merkel wieder Bundeskanzlerin werden?

Dafür gibt es derzeit keinen verlässlichen Hinweis. Merkel hat kein neues Regierungsamt oder eine erneute Kandidatur angekündigt.

Angela Merkels Bedeutung heute

Angela Merkels politische Bilanz ist nicht mit einem einfachen Urteil zu erklären.

Sie führte Deutschland durch vier Wahlperioden und viele schwere Krisen. Ihre Entscheidungen zu Europa, Migration, Energie und Russland hatten große Folgen. Einige davon werden bis heute positiv bewertet. Andere stehen deutlich in der Kritik.

Genau deshalb bleibt ihre Zeit im Kanzleramt politisch wichtig.

Merkel ist 2026 nicht mehr die Frau, die über deutsche Regierungspolitik entscheidet. Doch die Fragen aus ihrer Amtszeit sind weiterhin aktuell. Ihr jüngster Auftritt zeigt zudem, dass sie sich weiterhin öffentlich äußert, wenn sie Demokratie und Europas Zukunft berührt sieht.

Quellen

Merkel in conversation with Cheema and Mendel

Angela Merkel | Book, Biography, Putin, Education …